Der Brandenburgische Tourismustag 2025 lief von neun Uhr morgens bis halb elf am Abend. Im Programm standen Barometer, Vorträge, Foren, zwei Preisverleihungen und ein Abendessen. Für das Netzwerken war eine Stunde vorgesehen, von 17 bis 18 Uhr. Das Beispiel zeigt, wie eng der Gesprächsanteil in einem umfangreichen Tagesprogramm bemessen sein kann. Überlegen Sie deshalb früh, welche Begegnungen Sie neben den Vorträgen ermöglichen möchten.
Ein Tourismustag ist die jährliche Branchenveranstaltung eines Tourismusverbands, einer Destination oder eines Landes für die eigenen Partner. Eingeladen sind Hotels, Gastgeber, Ausflugsziele, Gastronomie, Kommunen und Tourist-Informationen. Der Tag soll informieren, Strategie erklären und die Betriebe einer Region zusammenbringen.
Dieser Leitfaden verbindet die Planung von Vorträgen und Workshops mit vorbereiteten Gesprächen. Dazu gehören Begegnungen der Leistungsträger untereinander und Termine mit eingeladenen Reiseveranstaltern.
Was ist ein Tourismustag?
Die Beispiele aus dem deutschsprachigen Raum zeigen, wie verschieden das Format ausfallen kann. Gemeinsam ist ihnen der Zweck: Die für eine Region zuständige Tourismusorganisation bringt die örtlichen Betriebe und Partner zu Information und Austausch zusammen.
- Der Kärntner Tourismustag 2025 brachte am 18. November rund 500 Touristikerinnen und Touristiker ins Casineum Velden. Land Kärnten, Wirtschaftskammer Kärnten und Kärnten Werbung richten ihn gemeinsam aus (Kärnten Werbung, Jahresbericht 2025).
- Der Brandenburgische Tourismustag fand am 29. September 2025 mit mehr als 200 Teilnehmenden in Potsdam statt. Veranstalter waren das Wirtschaftsministerium und die TMB Tourismus-Marketing Brandenburg mit dem Ostdeutschen Sparkassenverband (TMB, Pressemitteilung 29.09.2025).
- Der Münchner Tourismustag 2025 am Nockherberg kam mit zwei Stunden Vorträgen und zwei Stunden Get-together aus (München Tourismus, Programm 2025).
- Der Tölzer Land Tourismustag 2026 setzte auf einen Marktplatz mit rund 30 regionalen Ausstellern. Die Teilnahme für Gastgeber und Leistungsträger war kostenlos (Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen, März 2026).
Branchentage im Vergleich
Viele Partner im Saal, wenig geplante Gespräche
Die dritte Zahl stammt nicht von einem Tourismustag, sondern vom Einkäuferworkshop der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT). Sie zeigt, was entsteht, wenn Gespräche vorab vereinbart werden. Rechnerisch kamen auf jeden Anbieter rund 27 Termine in drei Tagen.
Warum Vorträge allein die Partner nicht halten
Mit den Beispielen im Kopf lohnt ein Blick auf die Menschen, die Sie einladen. Nehmen Sie die Inhaberin eines Landhotels mit 30 Zimmern. Für den Tourismustag lässt sie ihren Betrieb einen halben Tag allein, in der Nebensaison vielleicht einen ganzen.
Sie kommt gern, wenn der Verband ruft. Ob sie im nächsten Jahr wiederkommt, entscheidet sie aber an einer einfachen Frage: Wen habe ich getroffen, den ich sonst nicht treffe? Die Vorträge kann sie oft später als PDF nachlesen. Kärnten stellt die Präsentationen seines Tourismustags online, dazu einen Videostream.
Was sie nicht nachlesen kann, ist das Gespräch mit dem Busreiseveranstalter aus Sachsen. Ebenso wenig das mit dem Weingut zwei Orte weiter, das ein Paket für Gruppen schnüren will. Genau diese Gespräche bleiben beim klassischen Ablauf dem Zufall am Stehtisch überlassen.
Vorträge und persönliche Gespräche erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Geben Sie beiden einen erkennbaren Platz im Programm.
Zielgruppe und Ziel: wen Sie wofür einladen
Bevor Sie Referenten anfragen, klären Sie, wer im Saal sitzen soll und was jede Gruppe mitnehmen soll. Ein Tourismustag hat mehrere Zielgruppen, und jede braucht einen anderen Teil des Programms:
- Leistungsträger: Hotels, Gastgeber, Gastronomie, Ausflugsziele und Erlebnisanbieter. Sie wollen Marktwissen, Förderhinweise und Kontakte, die Buchungen bringen.
- Kommunen und Tourist-Informationen: Sie brauchen die Strategie der Destination und die Abstimmung untereinander, etwa bei Gästekarten oder Besucherlenkung.
- Politik und Geldgeber: Landrat, Ministerium oder Aufsichtsrat wollen sehen, dass die Mittel für Tourismus Wirkung zeigen.
- Reiseveranstalter und Reisebüros: Sie fehlen auf vielen Gästelisten, obwohl sie das Produkt der Region verkaufen. Gemeint sind Gruppen- und Busreiseveranstalter, Studienreiseanbieter und Reisebüroketten.
Prüfen Sie, ob Reiseveranstalter und Reisebüros das Programm für Ihre Partner sinnvoll ergänzen können. Wie wichtig sie ist, zeigte ein Vortrag beim Tourismustag Saale-Unstrut im März 2025. Laut dem Tourismusforschungsinstitut dwif ist bei Gruppenreisen jeder zweite Gast zum ersten Mal in der Destination (dwif-Consulting, Qualitätsmonitor 2025). Für eine Region heißt das: Gruppenreiseveranstalter bringen Gäste, die sie über die eigene Werbung kaum erreichen würde. Eine gezielte Einladung ausgewählter Veranstalter kann deshalb Kontakte für neue Gruppenangebote ermöglichen.
Legen Sie anschließend ein Hauptziel fest, an dem Sie den Tag später messen. Wie Verbände das für einen ganzen Veranstaltungskalender tun, beschreibt unser Beitrag Verbandsveranstaltungen managen. Für einen Tourismustag eignet sich ein Ziel wie “Jeder angemeldete Leistungsträger hat mindestens zwei vereinbarte Gespräche”.
Das Programm: vier Bausteine statt einer Vortragsreihe
Aus den Zielgruppen ergibt sich das Programm. Bewährt hat sich ein Aufbau aus vier Bausteinen, die Sie je nach Budget gewichten.
Das Plenum bleibt der gemeinsame Rahmen. Hier gehören Begrüßung, Zahlen zur Saison, die Strategie der Destination und ein bis zwei Impulse hin. Halten Sie es kurz. Der Tourismustag Lahntal 2025 kam mit drei Impulsvorträgen von je etwa 15 Minuten aus.
Workshops oder Foren vertiefen ein Thema in kleinen Gruppen. Der Marktplatz zeigt Angebote von Partnern, Verbänden und Dienstleistern, wie in Bad Tölz. Der vierte Baustein sind die vereinbarten Termine, die in den meisten Programmen noch fehlen.
Beispielablauf
Ein Tourismustag am Nachmittag mit vereinbarten Terminen
- 13:00 Ankommen und Marktplatz Registrierung, Kaffee, Stände der Partner. Jeder Gast erhält seinen persönlichen Terminplan.
- 13:45 Plenum Begrüßung, Saisonzahlen, Strategie und ein Impuls. Höchstens 60 Minuten.
- 14:45 Foren und B2B-Termine Zwei Forenrunden zu je 45 Minuten. Parallel laufen Termine von 15 Minuten mit Reiseveranstaltern.
- 16:45 Gespräche unter Partnern Gemischte Tischrunden nach Thema, damit Betriebe aus verschiedenen Orten zusammenkommen.
- 18:00 Abschluss und Ausklang Kurzes Fazit, Preisverleihung falls geplant, danach Essen und freies Netzwerken.
Mit zwei Forenrunden und einem parallelen Terminblock lassen sich beide Angebote kombinieren: Wer drei Termine hat, kann eine Forenrunde besuchen; wer keine Termine hat, besucht zwei. Prüfen Sie für jede Person, dass sich die gewählten Angebote zeitlich nicht überschneiden.
Workshops, die Ergebnisse liefern
Foren sind der Teil des Programms, in dem die Partner selbst zu Wort kommen. Damit sie mehr bringen als eine zweite Vortragsrunde, helfen drei Regeln.
Lassen Sie die Teilnehmenden ihr Forum vorab wählen, wie beim Tourismustag Lahntal. So kennen Sie die Gruppengrößen und können Räume passend planen. Wählen Sie die Themen aus einer kurzen Partnerbefragung, nicht aus der Agenda der Geschäftsstelle. Und halten Sie in jedem Forum ein Ergebnis fest, etwa drei Maßnahmen für das kommende Jahr.
Das Lahntal ergänzte die Foren um eine anonyme Ideenwand, an der niemand reden oder präsentieren musste. Auch stillere Gastgeber kamen so zu Wort.
Vereinbaren Sie vor Beginn, wie die Ergebnisse dokumentiert werden und wer die vorgeschlagenen Maßnahmen anschließend aufgreift.
B2B-Termine zwischen Leistungsträgern und Reiseveranstaltern
Die Foren verbinden Partner mit Wissen. Die vereinbarten Termine verbinden sie mit Käufern, und dafür brauchen Sie etwas Vorlauf.
Laden Sie acht bis fünfzehn Reiseveranstalter ein, die zu Ihrer Region passen: Gruppen- und Busreiseanbieter, Studienreiseveranstalter, Anbieter für Vereins- und Firmenausflüge. Übernehmen Sie nach Möglichkeit Anreise und Übernachtung dieser Gäste, ähnlich wie bei einem kleinen Hosted-Buyer-Programm. Die Mechanik dahinter erklärt unser Beitrag Was ist ein Hosted-Buyer-Programm?.
Fragen Sie bei der Anmeldung beider Seiten ab, was sie suchen und anbieten. Leistungsträger nennen Zimmerzahl, Gruppentauglichkeit, Busparkplatz und Saison. Veranstalter nennen Zielgruppen, Reisearten und Gruppengrößen. Nutzen Sie diese Angaben, um passende Gesprächspartner vorzuschlagen und die Anfragerechte in der Terminmatrix festzulegen.
Rechnen Sie die Kapazität vorher durch. Ein Block von 14:45 bis 16:45 Uhr ergibt bei 15 Minuten Gespräch und 5 Minuten Wechsel sechs Termine je Veranstalter. Zehn Veranstalter schaffen damit 60 Termine. Melden sich 40 Leistungsträger an, kommen auf jeden nur eineinhalb Gespräche. Entweder laden Sie also mehr Veranstalter ein, oder Sie begrenzen die Termine je Betrieb. Wie diese Kapazitätsrechnung bei größeren Formaten ausfällt, zeigen wir im Vergleich Roadshow oder Workshop.
Mit der Converve-Plattform für Tourismus-Events erfassen Sie die Profile beider Seiten bei der Anmeldung. Das B2B-Matchmaking erstellt daraus nach Regeln, die Sie festlegen, die Terminpläne. Jeder Gast bekommt seinen persönlichen Plan vor der Veranstaltung.
Für die Landhotelinhaberin aus dem Beispiel wird so vorab erkennbar, wen sie treffen kann. Ob daraus ein Angebot entsteht, erfassen Sie in der Nachbereitung.
Gespräche unter Partnern: der unterschätzte Teil
Nicht jedes wertvolle Gespräch braucht einen Reiseveranstalter. Viele Pakete einer Region entstehen zwischen den Betrieben selbst: Hotel und Weingut, Ausflugsschiff und Gastronomie, Museum und Busunternehmen.
Auch diese Gespräche sollten Sie nicht dem Zufall überlassen. Mischen Sie die Tischrunden nach einem Thema, etwa “Angebote für Gruppen” oder “Radtourismus”, und setzen Sie Betriebe aus verschiedenen Orten zusammen. Ein Tischpate eröffnet das Gespräch mit einer konkreten Frage. Wie das in kleiner Runde funktioniert, zeigt unser Leitfaden zum Unternehmerfrühstück und Netzwerktreffen.
Das Abendprogramm kann denselben Zweck erfüllen. Eine Führung durch einen Partnerbetrieb oder eine Weinprobe bringt Gäste ins Gespräch, wenn die Gruppen bewusst gemischt sind. Wie Sie solche Gruppen bilden, beschreibt der Beitrag Rahmenprogramm für Tagungen und Kongresse.
Zeitplan, Kommunikation und Nachbereitung
Damit vereinbarte Gespräche zustande kommen, braucht der Tourismustag mehr Vorlauf als ein reines Vortragsprogramm. Planen Sie rückwärts vom Termin.
Sechs Monate vorher stehen Termin, Ort und Hauptziel fest. Kärnten, München und das Lahntal legen ihre Tage in den November, also in die ruhige Zeit vor der Wintersaison. Vier Monate vorher laden Sie die Reiseveranstalter ein, denn deren Kalender füllen sich früh. Zehn Wochen vorher öffnen Sie die Anmeldung für die Partner, mit Profilabfrage und Forenwahl. Zwei Wochen vorher verschicken Sie die persönlichen Terminpläne.
Nach dem Tag zählt, was aus den Gesprächen wird. Fragen Sie vier Wochen später beide Seiten kurz ab: Wie viele Termine fanden statt, wie viele führten zu einer Anfrage oder einem Angebot? Diese Zahlen sind das stärkste Argument gegenüber Politik und Geldgebern. Wie DMOs solche Ergebnisse in ihre Berichte bringen, zeigt der Beitrag Destinationsmarketing: Wie DMOs Gäste und den Travel Trade gewinnen.
Berichten Sie neben der Teilnahme auch über Folgeanfragen und Angebote, sofern diese zum festgelegten Ziel des Tourismustags gehören.
Vorträge, Workshops und Gespräche gemeinsam planen
Ein Tourismustag hat einen festen Platz im Jahr einer Destination. Er informiert, zeigt Strategie und bringt die Partner zusammen. Ergänzen Sie das Vortragsprogramm um ausreichend Zeit und Unterstützung für passende Begegnungen.
Wer das ändert, gibt den Partnern einen Grund wiederzukommen. Laden Sie Reiseveranstalter ein, fragen Sie bei der Anmeldung ab, wer was sucht, und verteilen Sie vorab vereinbarte Termine. Zeigen Sie den Partnern schon mit der Einladung, welche Gespräche sie vorbereiten können, und fragen Sie anschließend nach deren Ergebnissen.
Sie planen einen Tourismustag oder einen Partnerworkshop mit Terminen zwischen Leistungsträgern und Reiseveranstaltern? Sprechen Sie mit Converve, wir zeigen Ihnen gern, wie die Terminplanung für Ihr Format aussehen kann.
Häufig gestellte Fragen
Was ist ein Tourismustag?
Ein Tourismustag ist die jährliche Branchenveranstaltung eines Tourismusverbands, einer Destination oder eines Landes für die eigenen Partner. Eingeladen sind Hotels, Gastgeber, Ausflugsziele, Gastronomie, Kommunen und Tourist-Informationen. Üblich sind Vorträge, Foren, ein Marktplatz und ein Get-together, oft auch eine Preisverleihung.
Wer organisiert einen Tourismustag?
Meist richtet die Organisation aus, die eine Region vermarktet: ein regionaler Tourismusverband, eine Landesmarketinggesellschaft oder eine Destination. Häufig gibt es Partner. Den Kärntner Tourismustag tragen Land Kärnten, Wirtschaftskammer und Kärnten Werbung gemeinsam (2025). In Brandenburg waren es das Wirtschaftsministerium und die TMB mit dem Ostdeutschen Sparkassenverband (2025).
Wie lange dauert ein Tourismustag und wann findet er statt?
Die meisten Tourismustage dauern einen Nachmittag oder einen Tag. München und das Lahntal planten 2025 rund fünf bis sechs Stunden, Brandenburg einen ganzen Tag mit Abendprogramm. Die Beispiele in diesem Beitrag liegen überwiegend im November und im März, also außerhalb der Hauptsaison vieler Regionen. So können mehr Betriebe teilnehmen.
Was kostet die Teilnahme an einem Tourismustag?
Das legt jeder Veranstalter selbst fest, die Angabe steht in der Einladung. Der Tölzer Land Tourismustag 2026 zum Beispiel war für Gastgeber und Leistungsträger kostenlos. Eingeladenen Reiseveranstaltern sollten Sie zusätzlich Anreise und Übernachtung anbieten, damit sich die Reise für sie lohnt.
Wie bringe ich Reiseveranstalter zu einem Tourismustag?
Laden Sie gezielt acht bis fünfzehn Veranstalter ein, die zu Ihrer Region passen, und das mindestens vier Monate vorher. Bieten Sie einen vorbereiteten Terminplan mit passenden Leistungsträgern an. Übernehmen Sie nach Möglichkeit Reise und Übernachtung, so wie es Destinationen bei Hosted-Buyer-Programmen tun.
Wie viele B2B-Termine sind an einem Nachmittag möglich?
Bei Gesprächen von 15 Minuten und 5 Minuten Wechselzeit passen drei Termine in eine Stunde. Ein Block von zwei Stunden ergibt also sechs Termine je Reiseveranstalter. Zehn Veranstalter schaffen damit 60 Termine. Begrenzen Sie die Termine je Betrieb, wenn sich mehr Leistungsträger anmelden.