Dealflow: Was Investoren darunter verstehen und wie Startup-Events ihn füllen

Im ersten Halbjahr 2026 flossen rund 5,3 Milliarden Euro in deutsche Startups, 14 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Zahl der Finanzierungsrunden sank dagegen um 11 Prozent auf 354 (EY Startup-Barometer Deutschland, Juli 2026). Mehr Geld verteilt sich also auf weniger Unternehmen. Für Veranstalter unterstreicht das, wie wichtig die Passung zwischen Startup und Fonds für ein Gespräch ist.

Diesen Strom an Gelegenheiten, aus dem Investoren auswählen, nennen sie Dealflow. Fondsteams bewerten damit auch, welche neuen Beteiligungsmöglichkeiten ein Demo Day, Pitch-Abend oder eine Startup-Konferenz eröffnet hat. In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen, was Dealflow genau bedeutet, wie der Trichter dahinter funktioniert und was Ihre Veranstaltung liefern muss, damit Investoren sie als Quelle für neue Beteiligungen ernst nehmen.

Zeigen Sie Investoren früh, welche Startups zu ihrer Strategie passen und wie sie mit diesen Teams ins Gespräch kommen. Eine große Teilnehmerzahl allein sagt darüber wenig aus.

Was ist Dealflow?

Dealflow bezeichnet den Strom an Beteiligungsmöglichkeiten, den ein Wagniskapitalfonds (Venture Capital, kurz VC) oder ein Business Angel über einen Zeitraum erhält und prüft, vom ersten Kontakt über die Vorauswahl bis zur Investitionsentscheidung. Ein Fonds mit gutem Dealflow sieht genug passende Unternehmen früh genug, um die besten auszuwählen. Ein weniger passender Dealflow schränkt die Auswahl ein und erhöht den Aufwand für die Suche.

Den Begriff verwenden auch Private Equity, die Fusions- und Übernahmeberatung und die Immobilienbranche. Dieser Beitrag bleibt bei Startups und Wagniskapital, weil Veranstaltungen dort die größte Rolle spielen.

Drei verwandte Begriffe werden oft vermischt:

  • Deal Sourcing: die aktive Suche nach Beteiligungen, von eigener Recherche über Empfehlungen bis zu Veranstaltungen. Sourcing füllt den Dealflow von oben.
  • Pipeline: die Unternehmen, die sich gerade im Prüfprozess eines Fonds befinden. Die Pipeline ist eine Momentaufnahme, der Dealflow der Strom über die Zeit.
  • Verwaltung des Dealflows: die Werkzeuge und Abläufe, mit denen ein Fonds Gelegenheiten erfasst, einordnet und nachverfolgt, oft in einer eigenen Software für Investoren.

Im Deutschen schreibt man meist zusammen: Dealflow. Im Englischen ist die getrennte Schreibweise “deal flow” verbreiteter.

Woher Investoren ihren Dealflow bekommen

Wer die Quellen kennt, weiß, welche Rolle eine Veranstaltung realistisch spielen kann. Die Ökonomen Paul Gompers, Will Gornall, Steven Kaplan und Ilya Strebulaev haben dazu 885 institutionelle Wagniskapitalgeber befragt (NBER Working Paper 22587, 2016). Nur 10 Prozent der Deals kamen als unaufgeforderte Anfrage vom Gründerteam. Über 30 Prozent entstanden über berufliche Netzwerke, rund 30 Prozent suchten die Investoren selbst aktiv, 20 Prozent empfahlen andere Investoren und 8 Prozent kamen über Unternehmen aus dem eigenen Portfolio. Warum Investoren eine Konferenz deshalb als Beschleuniger ihres Netzwerks sehen und was das für ihre Gewinnung bedeutet, zeigen wir im Beitrag darüber, warum Investoren auf Startup-Konferenzen kommen.

Eine Konferenz kann diese Quellen zusammenbringen: Vorstellungen durch gemeinsame Kontakte, Gespräche mit Co-Investoren und die Suche nach neuen Teams. Dafür braucht es vorab verfügbare Profile und genügend Zeit für passende Begegnungen.

Der Trichter hinter dem Dealflow: von 100 Gelegenheiten zu einem Deal

Nützlich wird der Begriff, wenn Sie ihn als Trichter lesen. Die Studie beschreibt die Stufen als Verhältnisse: Jede vierte Gelegenheit führt zu einem Treffen mit dem Gründerteam, ein Drittel davon kommt in die Partnerrunde des Fonds, etwa die Hälfte davon in die vertiefte Prüfung (Due Diligence), und rund ein Drittel dieser Unternehmen erhält ein Term Sheet, also ein unverbindliches Beteiligungsangebot.

Der Trichter im Wagniskapital

Was aus 100 Gelegenheiten beim mittleren Fonds wird

Gompers, Gornall, Kaplan und Strebulaev, How Do Venture Capitalists Make Decisions?, NBER Working Paper 22587, Fassung Juni 2016 (Befragung von 885 VCs, Nov. 2015 bis März 2016); Stufenwerte gerundet und von uns aus den Verhältnissen der Studie abgeleitet.

Der mittlere Fonds prüft also rund 100 Gelegenheiten pro Beteiligung, in der Informationstechnik sogar 151 (NBER Digest, Dezember 2016). Ihre Veranstaltung wirkt nur auf die ersten beiden Balken. Den ersten Blick und das erste Gespräch mit einem Gründerteam liefern Demo Day, Pitch-Abend oder ein vereinbarter 1:1-Termin. Alles Weitere passiert Wochen später im Büro des Fonds.

Ihre Auswahl und Terminplanung sollten es Investoren erleichtern, aus den vorgestellten Unternehmen passende Gesprächspartner zu wählen.

Stellen Sie sich die Investment Managerin eines Fonds für frühe Phasen vor, die zu Ihrer Konferenz anreist. Am Montag muss sie in der Partnerrunde berichten, was sie mitgebracht hat. Hat sie 60 Pitches gesehen und passen vier davon zu Phase und Branche des Fonds, ist ihr Bericht kurz. Hatte sie acht vereinbarte Gespräche und passen sechs, bringt sie sechs Namen mit und einen Grund, im nächsten Jahr wiederzukommen. Die Befragung ist zehn Jahre alt. Nutzen Sie die Verhältnisse zur Veranschaulichung des Auswahlprozesses, nicht als Prognose für Ihre Veranstaltung.

Warum Vorauswahl 2026 mehr zählt

Die aktuellen Marktberichte zeigen eine Konzentration des Kapitals auf weniger Finanzierungsrunden.

Wagniskapitalmarkt 2026

Mehr Geld, weniger Deals

560,4 Mrd. $ Wagniskapital weltweit im 1. Halbjahr 2026 Fünfjahreshoch (KPMG)
~8.440 Deals weltweit im 2. Quartal 2026 niedrigster Wert seit Q3 2017 (KPMG)
354 Finanzierungsrunden in Deutschland im 1. Halbjahr 2026 minus 11 Prozent (EY)
KPMG Private Enterprise, Venture Pulse Q2 2026, Pressemitteilung vom 23.07.2026; EY Startup-Barometer Deutschland, Pressemitteilung vom 22.07.2026

KPMG beschreibt, dass Investoren ihr Kapital weltweit auf KI-Unternehmen oder reife Unternehmen mit nachgewiesenem Wert konzentrieren (Venture Pulse, Juli 2026). Für Deutschland formuliert es Thomas Prüver von EY-Parthenon so: “Investoren setzen zunehmend auf wenige große Startups und vermeintlich sichere Wetten.” Runden über 50 Millionen Euro machten im ersten Halbjahr 67 Prozent des Volumens aus, nach 55 Prozent im Vorjahreszeitraum (EY Startup-Barometer, Juli 2026).

Für Ihre Veranstaltung bleibt deshalb entscheidend, welche Unternehmen zur jeweiligen Fondsstrategie passen. Fragen Sie diese Kriterien vorab ab, damit Investoren beurteilen können, ob sich die Teilnahme für sie lohnt.

Welche Startup-Formate Dealflow liefern

Wenn Vorauswahl die Aufgabe ist, erledigen die Formate auf Ihrer Agenda sie sehr unterschiedlich. Sie unterscheiden sich darin, wie viel vorab gefiltert wird und was die Investorin am Ende mitnimmt.

FormatWas die Investorin siehtVorauswahl vor der VeranstaltungTypischer Ertrag für die Investorin
Demo DayEine kuratierte Gruppe pitcht auf der BühneHoch: der Accelerator hat die Kohorte ausgewähltEine Auswahl aus einer Kohorte, Anfragen für Folgegespräche
Pitch-WettbewerbFinalisten pitchen vor einer JuryMittel: ausgewählt für den Wettbewerb, nicht für ihren FondsSichtbarkeit einzelner Startups, selten ein Treffer
Konferenz mit 1:1-MatchmakingVereinbarte Gespräche, die sie vorab angenommen hatHoch, wenn Profile und Regeln stimmenErste Gespräche mit Gründerteams, Notizen für die Partnerrunde
Sprechstunden von InvestorenGründer, die ihre Termine gebucht habenGering bis mittel: die Gründer wählen sie ausViele kurze Gespräche, gemischte Relevanz
Side EventsKleine Frühstücke oder Dinner zu einem ThemaJe nach GastgeberBeziehungen und Empfehlungen anderer Investoren
InvestorentagAndere Investoren, teils Geldgeber der FondsHoch: nur InvestorenKontakte zu Co-Investoren, Empfehlungen

Die Tabelle zeigt einen klaren Unterschied. Formate, die nach den Kriterien der Investorin filtern, erzeugen erste Gespräche. Formate, die für das Publikum filtern, erzeugen Sichtbarkeit. Wählen Sie bewusst, ob ein Programmpunkt Sichtbarkeit schaffen oder konkrete Investitionsgespräche vorbereiten soll.

Mehr Teilnehmende lösen das Problem nicht automatisch. Die Entwurfsfassung eines Arbeitspapiers von Sheryl Winston Smith und Christian Anker (BI Norwegian Business School, April 2025) untersucht 30 Acceleratoren und 4.817 Investoren. Mit den virtuellen Demo Days der Pandemiejahre kamen mehr Investoren in jede Finanzierungsrunde, zugleich wuchs die Unsicherheit über das einzelne Startup. Die Autoren sprechen von einem Paradox des Überflusses.

Im DACH-Raum treten oft öffentliche oder verbandsnahe Veranstalter auf: Wirtschaftsförderungen mit Pitch-Abenden, Gründerzentren von Hochschulen mit Demo Days, Business-Angel-Netzwerke mit Investorenrunden. Für sie gilt dieselbe Rechnung. Ein Abend mit zwölf Pitches vor 80 Gästen wirkt voll, liefert der einzelnen Investorin aber vielleicht zwei passende Namen. Steht ein Demo Day auf Ihrer Agenda, entscheidet die Auswahl der Kohorte über seinen Wert für den Dealflow. Unser Leitfaden zum Demo Day für Startup-Konferenzen beginnt deshalb bei der Auswahl. Eine Jury achtet auf andere Dinge als ein Fonds, wie der Beitrag zum Pitch-Wettbewerb zeigt. Und Dinner von Partnern bringen nur dann Empfehlungen, wenn sie Ihre Terminblöcke nicht stören, die wichtigste Regel aus unserem Beitrag zu Side Events auf Startup-Konferenzen.

So wird Ihre Veranstaltung eine Quelle für Dealflow

Zurück zur Rechnung mit 100 zu 1. Eine Partnerin, die zwei Beteiligungen im Jahr abschließt, braucht dafür rund 200 erste Blicke (unsere eigene Rechnung auf Basis des Studienmedians). Ein Demo Day mit 40 Startups deckt auf dem Papier ein Fünftel davon ab. Passen nur sechs davon zu Phase und Branche ihres Fonds, hat der Nachmittag sechs geliefert. Die Rechnung veranschaulicht die Bedeutung der Passung; sie ist keine Zielquote für einen einzelnen Fonds.

Fünf Entscheidungen machen den größten Unterschied:

  • Fragen Sie die Strategie ab, nicht nur das Logo: Lassen Sie jeden Investor Phasen, Branchen, Regionen, Ticketgröße und die gewünschte Zahl an Gesprächen angeben. Diese Felder sind Ihr Filter.
  • Veröffentlichen Sie Startup-Profile vorab: Geben Sie Investoren Wochen vorher eine durchsuchbare Liste mit Runde, Traktion und Branche, damit der erste Blick vor der Anreise passiert.
  • Vereinbaren Sie das erste Gespräch: Machen Sie aus Interesse bestätigte 1:1-Termine mit beidseitiger Zusage. Dann kommen beide vorbereitet, und das Gespräch zählt als erstes Treffen im Trichter.
  • Begrenzen Sie die Anfragen: Eine Obergrenze für Anfragen pro Investor schützt genau die Gäste, um die Sie sich am meisten bemüht haben. Wie das konkret geht, beschreibt unser Playbook gegen Investor Overload am Demo Day.
  • Erfassen Sie die nächsten Schritte: Zählen Sie in den Wochen danach Folgegespräche und nächste Schritte pro Investor, wie es der Beitrag zum Messen von Folgegesprächen nach dem Demo Day beschreibt.

Die Vorauswahl gilt in beide Richtungen. Nicht jede Person mit “Investor” auf dem Namensschild investiert gerade aktiv. Deshalb empfehlen wir, Investoren vor dem 1:1-Marathon zu qualifizieren.

Converve bildet diese Entscheidungen in einer regelbasierten Meeting-Matrix ab. Sie legen fest, welche Gruppen sich treffen können, welche Profilfelder die Vorschläge filtern und wie viele Anfragen ein Investor erhält. Jede Zuordnung lässt sich mit einer sichtbaren Regel begründen. Wie das Format von den Profildaten bis zur Terminorganisation aufgebaut ist, erklärt unser Beitrag Was ist Investor Matchmaking?. Mehr zur Plattform für Startup- und Investorenveranstaltungen.

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet Dealflow?

Dealflow ist der Strom an Beteiligungsmöglichkeiten, den ein Wagniskapitalfonds oder ein Business Angel über einen Zeitraum erhält und prüft, vom ersten Kontakt bis zur Investitionsentscheidung. Je passender die Gelegenheiten sind und je früher ein Fonds sie sieht, desto besser ist sein Dealflow.

Schreibt man Dealflow oder Deal Flow?

Beide Schreibweisen meinen dasselbe. Im Deutschen ist die zusammengeschriebene Form Dealflow üblich, im Englischen die getrennte Form “deal flow”.

Wie viele Startups prüft ein VC pro Investment?

In einer Befragung von 885 Wagniskapitalgebern prüfte der mittlere Fonds rund 100 Gelegenheiten pro abgeschlossenem Deal, in der Informationstechnik 151, im Gesundheitswesen 78 (Gompers et al., NBER Working Paper 22587, 2016). Etwa jede vierte Gelegenheit führte zu einem Treffen mit dem Gründerteam.

Woher bekommen Investoren ihren Dealflow?

Überwiegend über Beziehungen. Über 30 Prozent der Deals entstanden über berufliche Netzwerke, rund 30 Prozent durch eigene aktive Suche, 20 Prozent durch Empfehlungen anderer Investoren, 10 Prozent durch Anfragen von Gründern und 8 Prozent über Portfoliounternehmen (NBER Digest, 2016). Gut kuratierte Veranstaltungen stärken vor allem Netzwerk und aktive Suche.

Lohnen sich Demo Days für den Dealflow?

Oft ja, weil der Accelerator die Kohorte bereits ausgewählt hat. Die Schwäche: Die Auswahl passt zum Programm, nicht zur Strategie eines einzelnen Fonds. Am meisten Dealflow liefern Demo Days, wenn Investoren die Startup-Profile vorab erhalten und Folgegespräche direkt buchen können.

Wie gehen Fonds mit sehr vielen Anfragen um?

Die meisten Fonds erfassen jede Gelegenheit in einem eigenen System, ordnen sie nach Phase und Branche ein und gleichen sie mit ihrer Strategie ab, bevor jemand ein Gespräch führt. Veranstalter helfen, wenn sie dieselben strukturierten Daten schon bei der Anmeldung abfragen. So können Investoren die Profile vorab anhand ihrer eigenen Kriterien prüfen.

Fazit: Dealflow ist der Maßstab, an dem Investoren Ihre Veranstaltung messen

Erfassen Sie die Fondsstrategien, veröffentlichen Sie Startup-Profile rechtzeitig und ermöglichen Sie vorbereitete Gespräche. Prüfen Sie anschließend, welche Kontakte zu Folgegesprächen geführt haben. So können Sie Investoren konkret zeigen, welchen Beitrag die Veranstaltung zu ihrer Suche leistet.

Sie möchten sehen, wie eine regelbasierte Meeting-Matrix Startups schon vor der Veranstaltung mit den Strategien der Investoren abgleicht? Sprechen Sie mit Converve.

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